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Staatliches Eifel-Gymnasium Neuerburg
Eifel-Kolleg Neuerburg
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Demokratietag und Ausstellung "Tatort-Rheinland-Pfalz"

Erstmalig fand an unserer Schule ein Demokratietag für die 10. Klassen im Rahmen einer Ausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung statt, in der rechtsextreme und neonazistische Phänomene unserer Region dargestellt wurden.

Die Bedeutung von Demokratie in unserem direkten Umfeld und für Europa wird unter anderem im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen in der Türkei und in Frankreich sehr deutlich. Besonders interessant war es für unsere Schülerinnen und Schüler, über die teilweise subtil vermittelten Werbestrategien und -botschaften rechtsextremer Gruppierungen in sozialen Netzwerken aufgeklärt zu werden.

Der Demokratietag, den auch die 10. Klassen der benachbarten Realschule plus besuchten, war ein voller Erfolg und soll für kommende Schuljahre und zukünftige 10. Klassen unserer Schule eine feststehende Institution werden.

"Tatort-Rheinland-Pfalz" - ein Erfahrungsbericht

Rechtsextreme Strukturen und Gruppierungen in unserer Region

Den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern einer Schule obliegt die politische Bildung von Jugendlichen und damit leistet Schule einen besonderen Beitrag zur Identitätsbildung junger Menschen, die zu mündigen Bürgern erzogen werden sollen. Am Staatlichen Eifel-Gymnasium Neuerburg kam man dieser Aufgabe im Schuljahr 2016/17 erstmalig in Form eines Demokratietages nach. Wie wichtig diese Werbung für die Demokratie, auch in Europa mittlerweile ist, offenbaren sowohl das Referendum in der Türkei über die Einführung eines präsidentiellen Systems als auch die Wahlerfolge des Front National in Frankreich unter Marine Le Pen. Da rechtsextreme und neonazistische Phänomene längst also kein Randproblem mehr in unserer Gesellschaft darstellen, fand in Neuerburg ein Demokratietag für die 10. Klassen statt, der von einer zweiwöchigen Ausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung begleitet wurde.

Grundlegende Charakteristika einer funktionierenden Demokratie, wie beispielsweise die Gewaltenteilung oder die Volkssouveränität wurden in den Blick genommen und kontrastierend aktuellen Gefährdungen dieser Staatsform am Beispiel rechtsextremer Strukturen gegenübergestellt. Hier ermöglichten insbesondere die 22 Tafeln der Ausstellung „Tatort Rheinland-Pfalz“, die vom 24.04.-05.05.2017 im Atrium des Gymnasiums öffentlich ausgestellt wurden, einen Blick auf rechtsextreme Strukturen und Zielsetzungen. Dieses Angebot nahmen sowohl die zehnten Klassen der benachbarten Grund- und Realschule Plus mit ihren Geschichtslehrern wahr als auch die Teilnehmer des Demokratietages und die Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe. Besonders bemerkenswert war, dass der vorgestellte Rechtsextremismus keine theoretische Bedrohung der Demokratie ist, sondern tatsächlich vor allem in ländlichen Gebieten auch unseres Bundeslandes Zuspruch findet. Diverse einschlägige Gruppierungen versuchen hier vor allem Jugendliche, denen in ländlichen Regionen oft Freizeitangebote fehlen, anzusprechen, um sie beispielsweise durch Konzerte oder soziale Netzwerke für ihre Ideologie zu begeistern. Wie subtil die Werbestrategien der Rechten dabei häufig sind, stellte Frau Alrun Schleiff, Geschäftsführerin der Heinrich-Böll-Stiftung in Mainz, bei der Abendveranstaltung am Donnerstag, 04.05.2017 heraus: Die „Junge Alternative“ warb auf Facebook kürzlich mit einer wiederholten Antifeminismus-Kampagne für ein traditionelles Frauenbild und stellte dabei moderne Frauen mit Slogans wie „Ich bin kein Feminist, weil eine Mutter genauso wertvoll ist wie eine Vorstandschefin“ an den Pranger. Frau Schleiff demonstrierte der interessierten Zuhörerschaft an zahlreichen Beispielen, wie geschickt Rechtsextreme mittlerweile für sich werben und rief die Jugendlichen, anwesende Eltern und Lehrer dazu auf durch „Gegenstrategien“ für die Demokratie zu werben und für sie zu kämpfen. Wie kreativ und modern dies in Neuerburg mit dem Projekt „Demokratietag“ bereits geschehe, bewunderte die Geschäftsführerin der Stiftung und rief dazu auf genauso weiterzuarbeiten und die Demokratie so für sich sprechen zu lassen.

Diesem Aufruf werden die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer des Schulzentrums in Neuerburg gerne nachkommen, wenn auch im kommenden Schuljahr 2017/2018 ein neuer Demokratietag sensibilisieren und begeistern soll.

Dr. Susanne Becker