Die Deutschlehrerinnen Anne Bernardy-Schmitz, Helena Diederich und Maike Ewald setzen sich gemeinsam mit ihren Kursen der Jahrgangsstufen 10, 11 und 12 intensiv und an verschiedenen Lernorten mit dem Roman „22 Bahnen“ von Caroline Wahl auseinander:
Der Roman erzählt von der jungen Protagonistin Tilda, für die das tägliche Schwimmen eine wichtige Konstante im Leben darstellt. Das Wasser wird für sie zu einem Ort der Ordnung, der Ruhe und der Selbstvergewisserung – ein Motiv, das im Unterricht eine zentrale Rolle spielte. Um diese Erfahrung nicht nur theoretisch zu besprechen, entschieden sich die Lehrerinnen für einen ungewöhnlichen, aber sehr anschaulichen Zugang zur Literatur: Eine Unterrichtseinheit fand im Schwimmbad der Schule statt.
Die Schülerinnen und Schüler hatten dort die Möglichkeit, selbst einige Bahnen zu schwimmen und anschließend ihre Eindrücke mit der Lektüre zu verbinden. Dieser Perspektivwechsel folgte einem wichtigen didaktischen Prinzip: Literatur wird besonders greifbar, wenn zentrale Motive nicht nur analysiert, sondern auch körperlich und sinnlich erfahren werden. Durch die eigene Bewegung im Wasser konnten die Lernenden nachvollziehen, welche Bedeutung Rhythmus, Wiederholung und Konzentration für die Figur Tilda haben.
In einem Interview wurde Caroline Wahl gefragt, warum das Wasser, konkret das Schwimmen, eine zentrale Rolle in ihrem Roman spiele. Wahl erläuterte, dass Tilda einen Schutzraum brauche, in dem sie Kraft tanken und wortwörtlich abtauchen könne. Das Wasser habe etwas Meditatives, und eine andere Qualität, als wenn sie einfach laufen würde.
Inspiriert von der meditativen Aura des Schwimmens wurde im anschließenden Unterrichtsgespräch nach der Stunde im Schwimmbad deutlich, wie stark dieses elementare Erleben das Textverständnis vertiefen kann. Viele Schülerinnen und Schüler beschrieben, dass sie das Motiv des Schwimmens und die innere Welt der Figur nach dieser Erfahrung intensiver wahrnehmen konnten. Die Kombination aus literarischer Analyse und praktischer Erfahrung eröffnete so einen neuen Zugang zum Roman und ein Lernen mit Kopf, Herz und Hand.
Die Unterrichtsreihe zeigt, wie lebendig und vielfältig Literaturunterricht sein kann: Wenn Texte nicht nur gelesen, sondern auch erlebt werden, entstehen nachhaltige Eindrücke – und Literatur wird zu einer Erfahrung, die über das Klassenzimmer hinausreicht.
Ein besonderes Highlight stand am Ende der Einheit an: die Autorin Caroline Wahl, zu Gast beim Eifel-Literaturfestival in Bitburg, formulierte per Video eine persönliche Grußbotschaft an die Schülerinnen und Schüler und rundete so die erlebnisreiche Lektüre gebührend ab.