Eine riesige Flagge bedeckte am 26. Mai 2026 die Bühne, bevor die Tragödie begann und bereits die ersten Szenen zeigten, dass Shakespeares Klassiker an diesem Abend nicht ganz so klassisch inszeniert wurde, wie einige vielleicht erwartet hätten. Statt Taft und Seide trugen die Figuren Bomberjacken, Tweedanzüge und Netzstrumpfhosen und auch die Besetzung des männlichen Protagonisten Hamlets durch eine Frau überraschte die Schülerinnen und Schüler der Grundkurse des Darstellendes Spiels.
Dabei brillierte die Schauspielerin Susanne Schieffer in der Rolle des vom Geist des verstorbenen Vaters aufgesuchten Prinzen von Dänemark, der Rache schwört und seinen Onkel und Vatermörder töten will. Dem Ensemble gelang eine moderne Umsetzung des elisabethanischen Theaters vor einem dezidierten, aber sehr durchdachten Bühnenbild und richtete dabei den Fokus auf Politik als kaltes Machtkalkül.
Die Gruppe aus Neuerburg erlebte über zweieinhalb Stunden eine mutige und spannungsgeladene Umsetzung, die einen gekonnten Mix aus Shakespeares Textvorlage und Bezügen zum politischen Geschehen unserer heutigen Zeit präsentierte. Sichtlich beeindruckt von der gelungenen Inszenierung bedankte sich das Publikum am Ende des Abends mit stehenden Ovationen beim Trier Ensemble.