MENÜ
Staatliches Eifel-Gymnasium Neuerburg
zurück

Vortrag des Holocaust-Überlebenden Sinto Christian Pfeil: Appell gegen das Vergessen und für die Verantwortung

Im Atrium empfingen die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9-12 und die Kollegiaten Christian Pfeil, einen Überlebenden des Holocaust, in Begleitung seines Neffen.

Die Schulgemeinschaft verfolgte Pfeils Erzählung vom Schicksal seiner aus Trier stammenden Familie und ihren Erlebnissen während der nationalsozialistischen Diktatur und in der Nachkriegszeit bis heute. 
Pfeil begann mit der Darstellung des Lebens seiner Sinti Familie mit dem Beginn der NS-Diktatur in Trier und schilderte dann die Deportation in polnische Konzentrationslager im Mai 1940. Er sprach von den Zufällen und vom unerklärbaren Glück, die Konzentrationslager zu überleben. Dies gilt insbesondere für ihn, da er im Lager Lublin zur Welt kam. Ein berührender Moment entstand, als er berichtete, wie seine Mutter um sein Überleben als Säugling im KZ gekämpft hat. Das Wunder, Auschwitz überlebt zu haben, den menschenunwürdigen Bedingungen Stand gehalten zu haben, bestärkte den überlebenden Teil seiner Familie und ihn selbst, weiterzumachen. Anschließend ging er auf die Rückkehr seiner Familie nach Trier ein und erläuterte, wie sie auch in der Heimatstadt immer wieder mit der nationalsozialistischen Vergangenheit konfrontiert wurde. 
Als besonders erschütternd erweist sich die Tatsache, dass die Familie von Christian Pfeil immer wieder Anfeindungen ausgesetzt war und heute noch ist. Erst vor drei Tagen, am 01. Juni 2024, musste seine Familie in Trier erleben, dass Unbekannte das Haus in der Riveris-Siedlung mit antiziganistischen Ausdrücken und Symbolen beschmutzt haben. 
Die zunehmende Angst, mit der Sinti und Roma in ihrer Heimat Deutschland leben müssen, brachte Christian Pfeil intensiv zum Ausdruck. Verbunden mit den Erlebnissen seiner Familie in Holocaust wurde den Zuhörenden begreiflich, was für ein kostbares Gut Demokratie darstellt. So wies auch Dr. Jens Kemper in der einleitenden Begrüßung darauf hin, dass historisch-politische Schulbildung dem Rechtsruck in der Mitte der Gesellschaft entgegenwirken müsse. 
Auf die Frage, was Christian Pfeil den jungen Menschen mit auf den Weg geben möchte, antwortete dieser mit dem Appell, eine Konzentrationslager-Gedenkstätte zu besichtigen, um sich der Verbrechen an der Menschenwürde bewusst zu werden und der Tendenz zu deren Verharmlosung entgegenzuwirken. Zugleich appellierte er an die Verantwortung eines jeden von uns, am Sonntag zu wählen und „das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen“.

Christian Pfeil gelang es so sehr gut, den Schülerinnen und Schülern einen berührenden und bleibenden Eindruck vom Holocaust zu vermitteln und vor allem, Aufmerksamkeit für das Schicksal der Sinti und Roma zu wecken. Seitdem er im Ruhestand ist, hat er bereits viele Gelegenheiten in Deutschland und Europa genutzt, um im weiteren Sinne über Rassismus und Menschenrechte zu sprechen. Am 27. Januar sprach er auch vor der UNO-Versammlung in New York anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus. Sein Besuch war ein besonderes Ereignis für die Schulgemeinschaft in Neuerburg, wofür wir ihm von Herzen danken.