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Staatliches Eifel-Gymnasium Neuerburg
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Digitaler Unterricht: „Learning by Doing“

Alexandra Zender spricht Anfang Januar in einer Videokonferenz mit den Schülern Tabitha Pick und Florian Baden (beide Jahrgangsstufe 11) über die schnell fortschreitende Digitalisierung in den Schulen während der Corona-Pandemie und schildert ihre eigenen Erfahrungen.

Tabitha: Während der ersten Schulschließung im Frühjahr 2020 nutzten wir noch die Plattform Zoom für Videokonferenzen. Anfang des Schuljahrs 2020/21 wurde dann am Staatlichen Eifel-Gymnasium die Arbeit mit Microsoft Teams eingeführt, über das auch wir uns gerade aufgrund der erneuten Schulschließung unterhalten. Wie nutzen Sie die Plattform beim jetzigen Homeschooling?
Zender: Die Plattform funktioniert ähnlich wie Zoom, daher war mir vieles bekannt. Ich nutze Teams hauptsächlich für Videokonferenzen sowie das Kursnotizbuch, um Aufgaben einzustellen. Dabei helfen mir meine Erfahrungen mit OneNote, womit ich schon vorher gearbeitet habe. Doch trotz dieser Vorerfahrungen: Die Umstellung war auch ein „Zeitfresser“, es geht viel über Learning by Doing und es dauert, bis es zum Selbstläufer wird. Zumal Teams deutlich mehr Funktionen hat als Zoom. Allein die ganzen Kanäle, über die man kommunizieren kann. Manchmal habe ich das Gefühl, mein Handy klingelt pausenlos ...

Tabitha: Kam die Thematik „Digitale Bildung“ in Ihrem Studium vor?
Zender (lacht): Nur kurz. An der Uni gab es nur Overheadprojektoren – und am Ende meines Studiums immerhin einen Beamer ...

Tabitha: Würden Sie sich eine Fortbildung zum Thema „Digitale Bildung“ wünschen?
Zender: Auf jeden Fall. Wir sind allerdings nicht ganz auf uns allein gestellt. Wir Lehrer unterstützen uns untereinander. Wir haben Gruppen, in denen Lehrer mit mehr Erfahrung den anderen helfen. Trotzdem bleiben noch Fragen offen. Deswegen fände ich Workshops hilfreich.

Tabitha: Welche Chance sehen Sie in der digitalen Bildung?
Zender: Große Chancen. Das Thema ist keine Frage des Wollens, sondern des Müssens. Das ist positiv gemeint: Ihr lernt, euch neue Dinge anzueignen – das kann euch auch an der Hochschule helfen. Wenn man das Prinzip einmal verstanden hat, ist es leichter übertragbar. Zudem können im Unterricht mit neuen Medien andere Lernkanäle angesprochen werden, wie Erklärvideos oder Padlets.

Tabitha: Gibt es Ihrer Ansicht nach auch Nachteile oder Risiken?
Zender: Durchaus. Es besteht zum Beispiel die Gefahr, dass man sich in der Flut der Angebote verliert – als Lehrer, aber auch als Schüler. Und die Gefahr, Schüler medial zu überlasten. Sie nutzen digitale Medien regelmäßig in der Freizeit – Schule sollte dazu auch einen Gegenraum schaffen. Man sollte nie vergessen, dass im Vordergrund steht, Inhalte zu vermitteln und im Dialog miteinander zu arbeiten. Die Mischung aus digitalen Medien und klassischem Unterricht bietet wahrscheinlich den größten Lernerfolg. Auch im Klassenraum kann man zum Beispiel mit OneNote und dem Klassennotizbuch arbeiten. In Gruppenarbeiten kann man das ebenfalls zulassen. Ich finde, diese Mischung ist in unserem Schulalltag schon angekommen.

Tabitha: Befürchten Sie, dass Schüler irgendwann verlernen, ohne Laptop, Internet & Co. zu lernen und Hausaufgaben zu machen?
Zender: Ja. Aus dem Grund, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass es noch viele Schüler gibt, die als erste Informationsquelle ein Lexikon nutzen. Sie googeln lieber. Wichtig bleibt, dass das Schreiben mit der Hand neben dem Tippen beibehalten wird, weil komplexe Zusammenhänge so besser im Gehirn verarbeitet werden.

Florian: Können Sie sich Schule komplett ohne Präsenzunterricht vorstellen?
Zender: Nein. Unterricht ist mehr als über das Fach zu sprechen, es geht auch ums Miteinander, um das soziale Lernen. Interaktion spielt beim Lehren und Lernen eine wichtige Rolle. Dabei ist es wichtig, alle sehen zu können. Selbst wenn in einer Videokonferenz alle die Kamera anhaben, kann ich auf den kleinen Bildern die Mimik kaum lesen, um beispielsweise zu sehen, ob die Schüler etwas verstanden haben oder nicht.

Florian: Stichwort „Bring your own device“: Was halten Sie von der Idee, dass Schüler ihre eigenen Geräte mitbringen?
Zender: Handys haben Schüler ohnehin immer dabei. Sie sollten allerdings nicht durchgehend auf dem Tisch liegen, weil man sonst schnell abgelenkt wird oder sich mit Dingen beschäftigt, die nicht in den Unterricht gehören.

Florian: Tafel oder Smartboard – womit arbeiten Sie im Unterricht lieber?
Zender (lacht): Ich bin ein Steinzeitmensch. Ich liebe die Tafel, das Kreidegefühl. Ich entwickle gern zusammen mit den Schülern Tafelbilder, das geht unkompliziert und schnell. Das Smartboard muss ich häufig erst hochfahren, das kann bisweilen dauern. Wenn ich aber etwas vorbereitet habe für das Smartboard, zum Beispiel einen Lückentext, dann arbeite ich auch gern damit. Beides hat seinen Charme.

Florian: Wie sieht Ihr Unterricht in der derzeitigen Homeschooling-Phase aus?
Zender: Ich versuche, die Videokonferenzen so ähnlich wie den normalen Unterricht zu gestalten. Wenn ich zum Beispiel meinen Bildschirm teile, kann ich zusammen mit den Schülern ein Tafelbild erstellen. Es macht mehr Spaß, wenn man im Collaboration Space an etwas zusammenarbeiten kann, Informationen sammelt und die Lösungen gemeinsam bündelt, anstatt einfach nur ein Lösungsblatt rauszugeben.
Florian: Blicken Sie mal fünf Jahre in die Zukunft: Wie sieht Ihr Unterricht im Jahr 2025 aus?
Zender: Ich denke, dass alle Klassen Tablets haben. Das (selektive) Lesen muss gezielt methodisch eingeübt werden, weil immer weniger Schüler Bücher oder Zeitungen nutzen. Vielleicht wird es keine normale Tafel mehr geben. Der Lehrer als Instanz aber wird bleiben, so wie ein Mediator. Ein Erklärvideo kann eine gute Einführung sein, aber es kann den Unterricht, den Lehrer vor Ort nicht ersetzen. Es kann keine Heterogenität auffangen. Der Lehrer muss mit verschiedenen Tools anders auf die eingehen, die mehr Unterstützung brauchen, als auf die, die „mehr Futter“ brauchen, er muss die digitalen Möglichkeiten an seine Lerngruppen anpassen. Gezieltes Hinschauen ist wichtig, deswegen braucht man Lehrer in Zukunft umso mehr.

Das Interview entstand im Rahmen des Workshops „Journalistisches Schreiben“