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Staatliches Eifel-Gymnasium Neuerburg
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Studienfahrt London 2017

22 Schülerinnen und Schüler des Englisch-Leistungskurses 12 „and friends“ erkundeten vom 29.05. bis 02.06.2017 die Metropole London.

Wir hatten uns für eine Anreise per Flugzeug entschieden, da die Aussicht auf eine ca. zwölfstündige Fahrt in einem „komfortablen Reisebus“ viele nicht gerade in helle Begeisterung versetzte. Die Gruppe aus 22 Teilnehmern – es war im Vorfeld nur eine einzelne Absage zu verschmerzen – traf sich also zur unchristlichen Zeit von 4:30 Uhr am bekannten Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück, der glücklicherweise seit jeher ins Netz einer irischen Billigfluglinie eingebunden ist. Zwei Stunden später startete der kurze Flug, unser Schlaf wurde nur wenige Male von Werbeofferten unterbrochen und dann saßen wir auch schon im Stansted Express für unsere Weiterfahrt in die City (Liverpool Street). Von hier an lernten wir den öffentlichen Nahverkehr der Hauptstadt hautnah kennen. Die Tube brachte uns zum Check-in ins Hostel in Willesden und danach wieder quer durch die Stadt zurück bis zum Tower Hill. Die Lehrerschaft ließ es sich nun nicht nehmen und zeigte der Gruppe der Londonbegeisterten sofort die Wahrzeichen der Stadt vom östlichen Ende der City bis nach Westminster, und zwar zu Fuß etwa 7 km am nördlichen Themseufer entlang. Da das noch nicht genug war, machten wir uns am Abend, nach einer kurzen Verschnaufpause, noch einmal nach Soho auf, um gemeinsam in einem chinesischen Restaurant zu speisen. Auf dem Rückweg ins Hostel, die Sonne ging bereits unter, warfen wir einen Blick auf den Buckingham Palace. Die Bärenfellmützen tragenden Queenʼs Guards waren da aber schon im Bett.
Der zweite Tag brachte bereits einen Ausflug in die Umgebung Londons. Es sollte nach Greenwich gehen, das mit der Travelcard der Zone zwei noch knapp erreichbar war. Das dortige Ensemble um das ehemalige Royal Naval College, das Queenʼs House, den Greenwich Park, das Royal Observatory usw. usf., das seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe ist, erwies sich als eine wunderbare Spiel- und Photographierwiese mit atemberaubendem Blick auf die Wolkenkratzer der Canary Wharf auf der Isle of Dogs jenseits der Themse. Dorthin brachte uns, natürlich, wieder die Tube, diesmal aber ihr noch nicht lange in der grandiosen Form ausgebauter neuer Zweig der DLR (Docklands Light Railway). Man hätte sich fast eher in einer boomenden asiatischen Metropole geglaubt als im altehrwürdigen London, so gigantisch muten die dortigen Bauvorgänge an. Oben auf dem Observatory Hill ging die Suche nach dem Nullmeridian los, der die Welt bekanntlich willkürlich in eine westliche und östliche Hemisphäre trennt. Das Spielchen mit Osten, Westen, Westen, Osten etc. machte eigentlich niemandem Spaß, außer einem bestimmten absonderlichen Lehrer. Gott sei Dank mussten wir dafür auch keinen Eintritt zahlen, da Miriam herausgefunden hatte, dass die doppelte Messingleiste für arme Touristen wie uns außerhalb der Museumsmauern weitergeht. Die Abendverpflegung verlegten wir am zweiten Tag an einen etwas traditionelleren Ort, namentlich einen typischen Londoner Pub am westlichen Ende der City mit dem Namen „The Black Friar“. Dort gab es Fish and Chips, ausgezeichnete Chickenburger bzw. für alle figurbewussten Damen unter uns natürlich auch ein kleines stilles Wasser und einen Beilagensalat.

Es reichte uns nach diesen zwei vollgepackten Tagen aber noch lange nicht mit Kultur! Und so stand am dritten das großartige British Museum an. Klug und vorausschauend wollten wir vor allen anderen einfallenden internationalen Touristenhorden bereits weit vor zehn Uhr innerhalb des Gebäudekomplexes sein, das misslang uns aber fast, da der Gruppeneingang tatsächlich hinten war und wir vor unserem Eintritt um den kompletten Wohnblock herumgehen mussten. Einigen taten hier schon gewaltig die Füße weh, aber man muss eben Opfer bringen. In der überkuppelten zentralen Empfangshalle angekommen, die von Sir Norman Foster geschaffen wurde, fiel es einigen nun wie Schuppen von den Augen, dass man sich wirklich in einem Museum von Weltrang befand. Die Motivation war auf dem Höhepunkt, das nutzten die Lehrer sofort aus und begannen mit einer Kerngruppe einen Rundgang durch die klassischen Altertümer von Altägypten an bis zum Römischen Imperium. Auf dem Weg waren die Highlights natürlich der Stein von Rosetta, die Elgin Marbles und eine interessante Sonderausstellung zur Entwicklung des Münz- und anderen Geldes seit den frühesten Anfängen. Yannick war es, der sich kaum loseisen konnte und den Mitarbeiter des British Museum immer wieder neu in ein Gespräch über Bronzeplatten, abgegriffene gefakte Silbermünzen und Inflationszahlscheine verwickelte, worauf dieser im Gegenzug immer mehr und neue Schubladen mit historischen Zahlungsmitteln öffnete. Noch ein Highlight stand aber nach einer dazwischengeschobenen Freizeit, die zur Selbstverpflegung genutzt wurde, am Abend auf dem Programm: ein Besuch im Globe Theatre, was noch einmal, und zwar buchstäblich, die Standfestigkeit aller Teilnehmer auf die Probe stellte. Denn wir mussten als Groundlings während der Vorstellung fast drei Stunden im Yard stehen.

Am Donnerstag, der leider bereits unser letzter Tag sein sollte, denn der Flug ging am frühen Freitagmorgen, teilte sich die Gruppe auf. Ein Teil suchte die Londoner Parks mit ihren vielfältigen Angeboten und Möglichkeiten auf. Ein anderer Teil war eigentlich für die klassischen historischen Kaufhäuser Harrods, Fortnum and Mason und Liberty vorgesehen. Aber, oh Wunder, niemand wollte plötzlich mehr „shoppen gehen“. Lag es an monetären Engpässen, die sich mittlerweile eingestellt hatten, oder aber waren die Schüler des Staatlichen Eifel-Gymnasiums in kurzer Zeit zu „Bildungswutbürgern“ geworden? Wie immer dem auch sei, die zweite Gruppe machte sich an diesem Morgen ins bisher eher gemiedene Südlondon auf. Das Imperial War Museum war der Ort, den man ansteuerte. Natürlich war es, ebenso wie im British Museum, völlig unmöglich, alles zu sehen. Daher beschränkten wir uns auf ein Stockwerk und dort auf zwei Ausstellungen. Eine davon, „The Secret War“, zeigte den Schülern die Arbeit und das Leben von britischen Geheimdienstmitarbeitern im 20. Jahrhundert. Als Teaser für die ganze Ausstellung fungierte natürlich James Bond 007. Diese (zu) glamouröse Phantasie wurde aber schon nach der zweiten Schauwand abgelöst von der eindrucksvoll detailliert zur Schau gestellten krassen Realität der Agenten und Doppel- und Trippelagenten v. a. im zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg. Sogar eine Dechiffriermaschine durften die Besucher bedienen und mancher bekam eventuell Anreize für sein zukünftiges Berufsleben. Weil man schonmal fast in der Nähe war, gingen wir dann zu Fuß weiter zu The Shard, dem mit über 300 Metern höchsten Wolkenkratzer vor Ort. Zwei Schüler trauten sich sogar nach oben. Weil man England ohne eine Tea Time nicht verlassen darf, brachen wir am späten Nachmittag doch noch zum Cream Tea zu Fortnum and Mason an der Piccadilly auf und trafen in einem farbenfrohen Salon wieder auf den Rest der Gruppe. Einen Stock tiefer gab es wahrscheinlich das grandioseste Stockwerk eines jeden vorstellbaren Kaufhauses, wenn es um Souvenirs feiner englischer Art geht. Die letzten Pfund Sterling wurden dort zum Einsatz gebracht.

Der Weg zurück nach London Standsted war etwas holprig, denn die Night Tube fährt leider leider nur am Wochenende. Und so mussten wir das erste Mal während unserer ganzen Zeit auf die berühmten roten doppelstöckigen Stadtbusse umsteigen, die aber in unserer Oyster Card inbegriffen waren. Ein paar Umsteigestationen und randalierende Londoner Jugendliche zur morgendlichen Stunde später („Look, a bus full of white people.“) kamen wir sicher zurück zur Liverpool Street und zum Stansted Express. Der Fluglinie waren wegen logistischer Probleme die sonst zum kleinen Zusatzpreis offerierten Verpflegungsprodukte ausgegangen und so ließen sie uns einfach friedlich schlafen, bis wir wieder im Hunsrück anlangten. Alles in allem ein sehr schöner Abschluss und eine eindrucksvolle Fahrt, nach der einige wahrscheinlich neue, bessere Schuhe brauchen.